Wulffs Staatsbesuch in der Türkei

Als erster deutscher Bundespräsident hielt Christian Wulff vor dem türkischen Parlament in Ankara eine Rede, in der er für mehr Toleranz gegenüber Christen in der Türkei und Religionsfreiheit plädierte. Diese sei in Deutschland beispielhaft, meinte er.

Nach seinem Ausspruch in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit - "der Islam gehört zu Deutschland", übertrug er dies nun auf die Türkei, wo "das Christentum zweifelsfrei zur Türkei gehöre". Demnach sollten Christen in der Türkei ihren Glauben öffentlich leben, theologischen Nachwuchs ausbilden und Kirchen bauen dürfen. In Deutschland dürften Muslime ihre Religion in "würdigem Rahmen" praktizieren.

Ferner sprach Wulff das Beitrittsgespräch der Türkei in die EU an und appelierte für faire und „ergebnisoffene“ Verhandlungen und betonte dass die Türkei sich mit ihren jüngsten Verfassungsreformen erneut ein Stück den europäischen Standards angenähert habe.

Bezüglich der deutschen Integrationsdebatte sagte Wulff, dass viele Menschen türkischer Herkunft in der Bundesrepublik Wurzeln geschlagen hätten, viele seien auch deutsche Staatsbürger geworden. „Das ist ein gutes Zeichen.“ Aber er erwähnte auch, dass es wichtig sei, die Probleme klar zu benennen. „Dazu gehören das Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung.“

Neben der Einhaltung der Werte des deutschen Grundgesetzes müsse die deutsche Sprache erlernt werden. „Wer in Deutschland leben will, muss sich an diese geltenden Regeln halten und unsere Art zu leben akzeptieren“, verlangte der Bundespräsident.

(dapd/afp), Nachrichten, 19.10.2010, DerWesten

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17.10.2010

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