Thilo Sarrazin zieht Konsequenzen

Thilo Sarrazin - Bundesbank-Vorstandsmitglied und früherer Berliner Finanzsenator - hat mal wieder mit Aussagen wie muslimische Migranten würden sich nicht in die Gesellschaft integrieren, sie kosteten mehr, als sie Nutzen brächten und sie würden häufiger straffällig provoziert. Und das tut er nicht nur lapidar in Interviews und talk-shows, nein, er hat dieses Mal ein Buch unter dem Titel "Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen" veröffentlicht.

Für derartige Aussagen hat er viel Kritik geerntet, sein Parteiausschluss wurde gefordert und Bundeskanzlerin, Angela Merkel, ließ durch ihren Regierungssprecher, Steffen Seibert, verlauten, dass Sarrazins Sätze "äußerst verletzend, diffamierend und sehr polemisch zugspitzt" seien. Seine Bemerkungen seiein nicht hilfreich für die Integrtion von Ausländern in Deutschland. Da müsste ein ganz anderer Ton angeschlagen werden. Auch die Bundesbank distanziert sich von den Worten Sarrazins.

FAZIT: Thilo Sarrazin hat seinen Rücktritt als Bundesbank-Vorstandsmitglied verkündet.

Will Sarrazin mit seinem Buch und seinen Statements provozieren oder einen Beweis für die von ihm proklamierten Vererbung von Intelligenz exemplarisch anhand seiner eigenen Person demonstrieren? Oder hat er sich einfach rhetorisch ungeschickt ausgedrückt und wird deshalb missverstanden?

Tageschau.de hat sich seiner Thesen angenommen und folgendes veröfentlicht:

  • 12,4% Migranten sind arbeitslos. Bei denen mit türkischen Migrationshintergrund sind es 16,8%, bei den Zuwanderern aus dem Iran, Irak und Afghanistan ca. 25%. Migrationsforscher Stefan Luft von der Universität in Bremen führt dafür zwei Gründe an: 1. werden viele Schul- und Berufsabschlüsse aus dem Ausland in Deutschland nicht anerkannt, 2. haben Zuwanderer trotz gleicher Qualifikation aber mit arabisch oder türkische klingenden Namen auf dem deutschen Arbeitsmarkt oft schlechtere Chanzen.
  • 4,3% der Bevölkerung leben überwiegend von Hartz IV. Bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt der Anteil fast doppelt so hoch. Bei Zuwanderern aus der Türkei liegt er bei 8,3% und damit ist die These, die Sarrazin vertritt, dass besonders viele Menschen aus der Türkei Sozialleistungempfänger seien, falsch. Es sind in etwa so viele wie bei anderen Zuwanderern. Aber die Bereitschaft zum Unternehmertum sei bei dieser Gruppe auffällig hoch.

 

Lesen Sie den beruflichen Lebenslauf von Thilo Sarrazin aus der Süddeutschen Zeitung:

Chronologie Sarrazins bei der Bundesbank (Quelle Süddeutsche)

 

Foto von Wikipedia: own Work


30.08.2010

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